Zentrum für Aus-, Fort- und Weiterbildung in Psychotherapie
Ausbildung in Person-geleiteter Verhaltenstherapie

Prämissen und Eckpunkte der Person-geleiteten Verhaltenstherapie

Diese neue Richtung der Verhaltenstherapie geht von folgenden Prämissen aus:

  • I. Die Person ist von primärer Bedeutung für Diagnose und Intervention. Unterschiedliche Verhaltens- oder Störungsebenen sind ausschließlich auf dem Hintergrund der Person oder von ihr ausgehend zu betrachten.
  • II. Es gibt kein von der Person abgelöstes Verhalten, so wie es keine von der Person abgelöste Störung gibt.
  • III. Unveräußerliche Voraussetzungen jeder psychologischen Beschreibung und Änderung sind daher:
    • (1) die angemessene Berücksichtigung der Gesamtperson,
    • (2) die Berücksichtigung der Art und Weise, wie die Person die von ihr vorgefundenen Lebensumstände in ihre Innere Lebenswelt aufnimmt,
    • (3) die Kenntnis der realen Lebensumstände der einzelnen Person.

Theoretisches Modell, Rahmenkonzept und Vorgehensweise

Person-geleitete Verhaltenstherapie liefert sowohl ein Rahmenkonzept für die Sicht von der Person im Änderungsprozess als auch spezifische Vorgehensweisen für Diagnostik, Änderungsplanung und Interventionsschritte.
Die Person-geleitete Verhaltenstherapie bietet in diesem Zusammenhang eine neue Theorie der Person, die Parallelen mit neuen Forschungsansätzen aufweist.

Vorgehensweise

Die Person bildet in vierfacher Weise den Hintergrund für das Herangehen an "Psychische Störungen":

  • 1. Die Person verändert sich in Struktur und Dynamik ihrer Personanteile und als Folge lösen sich die Störungen auf (sie waren "nur" Symptome des Zusammenspiels der Anteile - BIG- und der Inneren Welt - BIU -).
  • 2. Die "Störung" erweist sich auf einer höheren Ebene der Beobachtung als passend zur Verhaltensschablone eines Personanteils und braucht deshalb keine Hervorhebung als besondere "Störung".
  • 3. Die sog. psychische Störung wird erkannt als "gleichberechtigter" Personanteil und damit wird ihr der Status der die persönliche Kontrolle versagenden Krankheit entzogen.
  • 4. Struktur und Dynamik der Personanteile werden berücksichtigt bei der Erklärung von Entstehung und Aufrechterhaltung sowie bei Änderungsentscheidungen für die Störung und für die beteiligten realen Lebensbedingungen.

Für wen ist die Ausbildung geeignet?

Diese Ausbildung ist für psychologische, heilpädagogische und ärztliche Psychotherapeuten geöffnet. Eine verhaltenstherapeutische Grundausrichtung ist nicht erforderlich, anerkannte alternative Psychotherapieaausbildungen sind willkommen.

Zum Aufbau unserer Ausbildung:

In der angebotenen Workshop/Modul-Reihe soll den Teilnehmern nach einer kurzen Einführung in die theoretischen Konzepte das grundsätzliche Vorgehen in der PGV und ihre Unterschiedlichkeit zu anderen Therapieansätzen vermittelt werden. Im ersten Workshop/Modul können sich die Teilnehmer ein Bild von der Theorie und den Interventionen der PGV machen. Erste Schritte der Selbsterfahrung und der Übertragung in die eigene Praxis sind Bestandteile des ersten Moduls.
In den Folge-Workshops/Modulen werden die Kernkompetenzen der PGV-Anwendung erweitert. Ziel dieser Workshop/Modul-Reihe ist es, den Teilnehmern ein alternatives Verständnis von Psychopathologie und psychischer Gesundheit zu vermitteln, das eigene therapeutische Repertoire zu erweitern oder einen neuen Ansatz als eigenständige psychotherapeutische Methode kennenzulernen.
Heinrich Berbalk legt großen Wert darauf, die Erfahrungen, Einsichten und Kompetenzen / Talente der teilnehmenden Personen zu achten und mit den neuen Ansichten und Methoden zu verbinden.

Die Modulinhalte:

Modul 1: Einführung in die Person-geleitete Verhaltenstherapie

  • Weg zur PGV und Vergleich mit Alternativen
  • Theorie von BIG und BIU
  • Das Puppen Inventar zur PGV
  • Anwendung bei Beschreibung und Veränderung - Selbsterprobung und
  • Anwendung an eigenen laufenden Therapien

Modul 2: Erfassung der Person

  • PGV und Lebensgeschichte
  • Die Person und ihre Anteile - Dynamik und Integration
  • Konzeption von Person, Umfeld und Lebensbewältigung
  • Änderungskonzeption

Modul 3: Wege der Veränderung

  • Beobachten
  • Erkennen
  • Ebenen der Veränderung
  • Entscheiden
  • Starten und Änderungskonzeption begleiten

Modul 4: Supervision und Selbsterfahrung in der Person-geleiteten Verhaltenstherapie

  • Selbsterfahrung
  • In Gruppen von max. 7 Personen eine Konzeption der eigenen Person in ihrer Entwicklung und in unterschiedlichen Umgebungen erarbeiten. Auch Workshops zum Zweck der Selbsterfahrung werden in der Regel im INeKO – Institut durchgeführt.
    In 16 Unterrichtsstunden an zwei Tagen besteht die Gelegenheit zur Besinnung auf die eigene Entwicklung und gegenwärtige Lebensbewältigung. Einsicht in die dynamische Verbindung der vorherrschenden Person Anteile ermöglicht ein neues Verständnis der eigenen Person. Gedanken zur Förderung neuer Anteile oder von Anteilen im Hintergrund können erstarrte Anteilsmuster und damit die Person wieder in Bewegung bringen oder bei der Lösung von Lebensproblemen in Bewegung halten.
    Nicht selten entsteht eine neue Perspektive zur zukünftigen Integration von Person Anteilen, die Richtung und Stärke in eine gewünschte persönliche Entwicklung geben kann. Eine Gruppe hat max. 16 Teilnehmende und ermöglicht so die Berücksichtigung jeder einzelnen Person.
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  • Supervision
  • Supervision in der Person-geleiteten Verhaltenstherapie basiert auf der zu Beginn entworfenen und im Verlauf der Therapie weiterentwickelten Person-Konzeption des in Therapie eingetretenen Menschen.
    Zur Person-Konzeption wird auch die Beziehung der Therapeutin, des Therapeuten zur behandelten Person berücksichtigt. In der Person-geleiteten Verhaltenstherapie wird die Therapiesituation als die Kooperation zwischen einer anvertrauten Person und einer flexiblen, nach den aktuellen, wechselnden Bedürfnissen der anvertrauten Person verantwortungsbewusst handelnden betreuenden Person betrachtet.
    Richtung und Ausmass der Bedürftigkeit der anvertrauten Person regulieren und dosieren das Betreuungsverhältnis. Supervision kann als Einzel- oder Gruppensupervision stattfinden. Unter besonderen Bedingungen kann Telesupervision zum Beispiel als Videokonferenz über das Internet angeboten werden.

Zertifizierung

Sie erhalten nach erfolgreicher Abschlusspräsentation ein Zertifikat des „Instituts für die Entwicklung personaler und interpersonaler Kompetenzen" (INeKO) an der Universität zu Köln unter der Benennung der Ausbildungsschwerpunkte und der erbrachten Leistungen. Ausbildungspunkte sind bei der Psychotherapeutenkammer beantragt. Erfahrungswert aus den bisherigen Ausbildungen: 60 Punkte für die komplette Ausbildung.

Ausbildungsort

Die Ausbildung findet in Köln in unseren eigenen Institutsräumen im Maarweg 231 - 233 statt. Gerne informieren wir Sie zu Übernachtungsmöglichkeiten. Wenden Sie sich dazu bitte an den INeKO Service.

Teilnahmegebühren

Die Teilnahmegebühr für 4 Workshops mit je 60 Unterichtseinheiten beträgt 1800.- € (Frühbucherrabatt 200.- €). Workshop 1 ist auch einzeln buchbar (450.- €, Frühbucherrabatt 50.- €).

Dozent

Dr. phil. Heinrich Berbalk